Bayerischer Rundfunk

2022-08-20 03:46:29 By : Ms. Nora liao

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Öl und Gas sollen beim Heizen so schnell wie möglich verschwinden. Ab 2024 soll es mit fossilen Brennstoffen betriebene neue Heizungen gar nicht mehr geben. Aber was sind die Alternativen? Bei der Entscheidung sind einige Punkte zu beachten.

Der russische Einmarsch in der Ukraine führt zu einem schnelleren Umdenken beim Gebrauch von Öl und Gas fürs Heizen. Die Abhängigkeit, vor allem beim Erdgas, ist sehr hoch – und vor allem auch teuer geworden. Viele denken deswegen darüber nach, ihre Gas- oder Ölheizung zu ersetzen. Ein Schritt, der allerdings nicht ganz trivial ist.

Wenn es um den Ersatz fossiler Brennstoffe geht, wird meist die Wärmepumpe als Erstes genannt. Sie ist, wenn die Voraussetzungen stimmen, eine mittlerweile ziemlich ausgereifte Technik, um umweltschonend Wärme für Heizung und Warmwasser zu erzeugen. Ungefähr drei Viertel der dafür benötigten Energie entzieht die Wärmepumpe der Umwelt – wahlweise der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser. Für den Rest benötigt die Wärmepumpe Strom. Im Idealfall ist das Ökostrom, der kann vom eigenen Dach kommen, aus einer Batterie oder auch aus dem Netz.

So einfach, wie das Prinzip der Wärmepumpe ist, ist der Einsatz in der Realität allerdings nicht. Am besten gelingt die Abstimmung von Haus und Wärmepumpe beim Neubau. Denn hier können von Anfang an Heizkörper, Dämmung und Technik in der passenden Art und Weise eingeplant werden. Egal, ob es eine Tiefenbohrung für Erdwärme sein soll, viele Quadratmeter Kollektoren oberflächennah im Garten vergraben werden müssen oder der Standort für den nicht ganz lautlosen Kollektor einer Luftwärmepumpe geplant wird.

Geht es um Bestandsgebäude wird es schon schwieriger. Denn hier passen häufig allein schon die vorhandenen Heizkörper nicht zu einer Wärmepumpe. Schließlich erzeugt eine Wärmepumpe kein besonders heißes Wasser. Fachleute sprechen von einer "niedrigen Vorlauftemperatur". Um damit ein Haus heizen zu können, braucht es dann relativ große Heizkörper.

Gut geeignet ist dafür zum Beispiel eine Fußbodenheizung. Werden kleine Wandheizkörper mit nicht sehr heißem Wasser von der Heizung befüllt, schaffen sie es bei sehr kalten Außentemperaturen nicht, den Raum ausreichend zu erwärmen.

Außerdem gilt eine gute Isolierung des Gebäudes als wichtig. Sonst kann eine Wärmepumpe nicht besonders effizient arbeiten und braucht sehr viel Strom – beispielsweise um eine Art Tauchsieder im zentralen Wasserspeicher als weitere Wärmequelle zu betreiben.

Eine weitere Herausforderung ist die Planung einer solchen Anlage in einem Bestandsgebäude. Noch nicht jeder Heizungsinstallateur hat ausreichend Erfahrung mit Wärmepumpen. Wichtig ist es also, dass ein wirklich fachkundiger Experte involviert wird, wenn man seine Heizung ersetzen will. Auch ein geförderter Energieberater kann ein guter Einstieg in die Planung sein.

Nicht ganz so leistungsfähig wie eine Wärmepumpe ist in der Regel die Solarthermie. Sie eignet sich in Deutschland vor allem in der wärmeren Jahreszeit für die Erzeugung von Warmwasser, beispielsweise zum Duschen. In der Übergangszeit, wenn dann auch geheizt werden muss, können die Kollektoren eine anders betriebene Hauptheizung ebenfalls noch gut unterstützen oder gar ersetzen.

Wird es aber im Winter richtig kalt, dann kommt die Solarthermie beim Heizen an ihre Grenzen. Die Paneele, die meist auf dem Dach installiert werden, bekommen nicht genügend Sonne ab, damit sich die Flüssigkeit in den Rohren ausreichend erwärmt.

Solarthermie eignet sich vor allem als Ergänzung im Rahmen einer sogenannten Hybridheizung. Hier werden mehrere Heizungsarten miteinander kombiniert. Das kann eine Öl- oder Gasheizung sein, die dadurch ökologisch sinnvoll ergänzt wird – aber auch eine Wärmepumpe kann dadurch unterstützt werden.

Wobei die naheliegendere Ergänzung einer Wärmepumpe eine Photovoltaikanlage ist, da diese nicht Warmwasser, wie die Solarthermie erzeugt, sondern den für eine Wärmepumpe benötigten Strom.

Wenn es um eine echte Holzheizung mit allem Drum und Dran geht, ist in der Regel von einer Pelletholzheizung die Rede. Das zu Pellets gepresste Holz ist gut zu lagern, auch wenn es recht viel Platz braucht, und lässt sich vor allem automatisiert in den Brennraum befördern – im Gegensatz etwa zu Scheitholz.

Allerdings gelten Pelletheizungen als recht teuer beim Einbau. Man muss einen vergleichsweise hohen Betrag investieren. Hinzu kommen höhere laufende Kosten bei der Wartung der Anlage. Auch der Schornsteinfeger wird mehr Arbeit haben als mit anderen Heizungen, fasst es die Stiftung Warentest bei einem Heizungsvergleich zusammen.

Wird Holz verbrannt, entsteht nur so viel CO2 wie bei dessen Entstehung. Allerdings emittiert eine Pelletheizung Feinstaub bei der Verbrennung. Das Umweltbundesamt empfiehlt deswegen unbedingt einen Staubfilter einzubauen. Aber auch mit Filter zeigt sich die Behörde insgesamt nicht sehr begeistert von Pellets und empfiehlt beim Heizen allgemein auf Brennstoffe zu verzichten.

Reichlich Wärme erzeugen können aber auch Holz- und Kachelöfen in ihren verschiedenen Bauarten. Sie können beispielsweise eine andere Heizung ergänzen, wenn sie an deren Wasserkreislauf angeschlossen werden. Hier muss aber das Holz selber ständig nachgelegt werden. Als einzige Heizung im Haus ist so ein Ofen dann für die meisten sicherlich etwas zu mühsam.

Eine weitere Heizvariante ist die Fernwärme. Dafür allerdings muss ein entsprechender Anschluss vorhanden sein. Aber man muss dann nicht mehr in eine eigene Heizung investieren und auch keinen Raum dafür vorhalten.

Ein zentrales Kraftwerk erzeugt bei der Fernwärme die Wärme für viele Haushalte. Oft geschieht das in Kombination mit Stromerzeugung. Es können aber auch andere Wärmequellen sein, zum Beispiel Geothermie. Das heiße Wasser – oder auch der Dampf – vom zentralen Kraftwerk wird im Keller mit einem Wärmetauscher ans Hausnetz angeschlossen. Darin gibt das Fernwärmenetz einen Teil seiner Wärmeenergie ab, um Trinkwasser und Heizungen zu erwärmen.

Allerdings ist Fernwärme natürlich nur so ökologisch, wie das zentrale Kraftwerk. Verbrennt auch das nur Erdgas oder gar Kohle, ist beim Ausstieg aus den fossilen Energien nicht allzu viel gewonnen. Lediglich die Nutzung des fossilen Brennstoffes ist meist recht effizient, da es sich oft um Kraft-Wärme-Kopplung handelt, also um die Abwärme bei der Stromerzeugung in einem Kraftwerk.

Als Nachteil für die einzelnen Nutzer gelten aber die häufig langen Vertragsdauern mit dem Anbieter und die meist recht hohen laufenden Kosten dafür.

Es gibt aber auch immer häufiger Weiterentwicklungen, die ganz neue Wege eröffnen. Manche erproben die Möglichkeit, im Sommer so viel heißes Wasser in großen Speichern zu bunkern, dass es auch durch den Winter reicht. Das funktioniert aber bestenfalls bei extrem gut isolierten Häusern.

Andere beginnen beispielsweise mit Wasserstoff zu experimentieren. Dafür braucht es eine recht üppig bemessene Photovoltaikanlage, die im Sommer ordentlich Strom-Überschüsse erzielt. Was an Strom nicht gleich verbraucht wird oder für die kurzfristige Speicherung in Batterien landet, wird in Wasserstoff umgewandelt und in Gasflaschen gelagert. Der Wasserstoff kann dann wieder Monate später bei Bedarf in einer Brennstoffzelle zu Strom umgewandelt werden – und zum Beispiel eine Wärmepumpe antreiben.

Als wichtigste Maßnahme beim Heizen gilt allerdings das Dämmen. Denn Energie, die gar nicht erst verbraucht wird, spart am meisten. Hier können auch kleinere Maßnahmen einiges helfen. Und die müssen auch gar nicht so viel kosten – zumindest in Relation zur eingesparten Heizenergie.

Ohne Energieberater oder zumindest einen kundigen Handwerker ist es allerdings nicht ganz einfach, hier die besten Ansatzpunkte zu finden.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde als Artikelbild eine Lüftungsanlage für eine Wärmepumpe und keine eigentliche Wärmepumpe gezeigt. Wir haben das Bild ausgetauscht.

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