Preisanstieg quält Kölns Wirte: "Das ist schon der Hammer für uns" - Report-K

2022-05-05 08:57:42 By : Mr. Tuya Smart

Köln | Es ist eine Entwicklung, die buchstäblich niemandem schmeckt…

Die Krisen und ihre Auswirkungen. Längst haben die vielzitierten Preissteigerungen im Lebensmittelbereich die ohnehin gebeutelten Gastronomen erreicht.

Was also nun tun? Die Spirale mitdrehen?

report-k hatte von den Machern der „Bagatelle“ berichtet, die proaktiv und ehrlich an die Öffentlichkeit gegangen waren, um den Preisanstieg ihrer Speisen den Gästen anzukündigen.

Alleine sind sie freilich mit dieser unbequemen Entscheidung in der Stadt nicht, wenn man sich umhört.

Top-Wirt Alexander Manek („Haus Unkelbach“, „ZAB“, „Bieresel“) ist ein Kind der Gastro und hat die derzeitige Entwicklung fassungslos verfolgt.

„Das Rapsöl für Schnitzel und Rievkooche ist von 9.99 auf 29.99 Euro, das Frittieröl für Pommes von 14.99 auf 34.99 Euro rauf“, schildert er, „das ist auch bei anderen Waren eine Verdreifachung. Die Lieferanten rationalsieren teilweise. Wir müssen dann fünfmal bestellen, müssen jeden Tag den Energiezuschlag pro Lieferant zahlen. Das geht ins Unermessliche.

Die Ölkosten für ein einziges Schnitzel betrugen vorher maximal 30 Cent, jetzt fast 80. Wie wir in meinen Läden damit umgehen, wissen wir aktuell noch nicht.“

Nächste Woche gebe es aber eine „Krisensitzung“, kündigt der Familienvater an: „Wir werden alles durchkalkulieren und sicher den einen oder anderen Preis erhöhen. Eventuell können wir die Reibekuchen nur noch einmal die Woche machen. Wird Schnitzel zum Luxusgut? Da hast du eine Überschrift.“

Stimmt. Wir fragen weiter und gelangen an die Theke der „Gaststätte Wirtz“ an der Vringsstroß gegenüber des Klösterchens.

Wirt Alex Haag bestätigt den Trend. „Ich war heute einkaufen. Die Ladung Frittemfett ist krass gestiegen, wenn du überhaupt noch Öl kriegst. Schweinefleisch ist auch angezogen“, stöhnt der „Godfather of Kotelett“. Die Preise erhöhen möchte er nach eigener Aussage allerdings (noch nicht).

Auch Edelfisch-Spezialist Aki Sabanovic vom „Restaurant Latio“ an der Pauluskirche verfolgt das Ganze aufmerksam: „Ja, die Preise sind richtig gestiegen. Alles ist teurer geworden. Öl, Mehl. Alle Milchprodukte, Fleisch.“

Friesenstraßen-König Peter Heising vom Heising & Adelmann: „Gas hat gerade extrem angezogen, an Lebensmitteln vor allem das Mehl und Öl. Fleisch, Fisch und Gemüse bisher moderat, aber auch 15% Steigerung ist schon der Hammer für uns. Obwohl ich es überhaupt nicht vorhatte, müssen wir wohl bald die Preise anpassen. Dasselbe übrigens bei Bier, Wein und Spirituosen!“

Christina Steier von der „Rievkoochebud“ in der Altstadt ist massiv betroffen. „Auch das Apfelmus ist rauf von 5 Euro auf 7.50 Euro“, klagt sie, „den Anstieg von Rapsöl und Frittieröl spüren wir ganz klar auch. Auch die Kleinigkeiten, alles 30-50 Cent teurer. Da ist es natürlich schwer, dass Reibekuchen ein „Arme Leute-Essen“ bleiben können. Aber wir erhöhen noch nicht und versuchen es noch ohne Preisanstieg.“

Szene-Wirt Martin Schlüter vom „Reissdorf am Hahnentor“ sagt offen: „Auch wir werden in unseren Häusern „Reissdorf am Hahnentor“ & „Hürther Wirtshaus“ die Preise erhöhen müssen. Sicherlich mit Bedacht & mit Augenmaß, aber da die Einkaufspreise auf alle Lebensmittel enorm steigen, müssen wir entsprechend reagieren.“

Till Riekenbrauk vom „Brauhaus Johann Schäfer“ hat einen Tipp: „Also bei uns wird gerade auch alles teurer. Wir haben gerade erst die Getränkekarte angepasst und mussten fast alles um 10-20 % erhöhen.

Am krassesten ist es aktuell beim Speiseöl und Frittieröl. Dort verzigfachen sich die Preise gerade ständig. Da gehen wir jetzt aber einen neuen Weg und setzen auf Filtermaschinen und Wiederaufbereitung. So spart man im Schnitt 40 % Öl ein, schont Ressourcen und das Portemonnaie.“

Zum Abschluss rüber zum „Wirtshaus em Ringströßje“ nahe des RheinEnergie-Stadions. Inhaber Simon Stahl schwant Unheil: „Es ist schon verrückt, was gerade passiert. Nicht nur, dass die Preise des Speise-und Frittieröls steigen. Hamsterkäufe erschweren auch noch, überhaupt welches zu bekommen.

Für kleine Restaurants wie das Ringströssje ist es wirklich nicht einfach, weil wir so schon aufgrund der wenigen Plätze 1-2 Euro im Schnitt teurer sein müssen. Und dann wird auch alles frisch hergestellt, was die Ware such nicht günstiger macht. Und die Benzinpreise geben der Lieferkette noch das I-Tüpfelchen.“