Indonesiens Palmöl-Exportstopp treibt Preise für Speiseöl | DiePresse.com

2022-05-14 22:13:07 By : Mr. Jack Zheng

Engpässe gibt es nicht nur bei Palmöl, sondesrn auch bei Sojaöl wegen Dürre in Südamerika, bei Rapsöl wegen Missernte in Kanada und Sonnenblumenöl wegen des Kriegs in der Ukraine.

Nach dem Ausfuhrverbot Indonesiens für Palmöl müssen sich Verbraucher weltweit auf steigende Preise für Speiseöl einstellen. "Diese Entscheidung beeinträchtigt nicht nur die Verfügbarkeit von Palmöl allein", warnte Rohstoff-Experte James Fry von der Beratungsfirma LMC International.

Denn der Bann falle in eine Zeit von Angebotsengpässen an allen Ecken und Enden: Sojaöl wegen einer Dürre in Südamerika, Rapsöl wegen einer Missernte in Kanada und Sonnenblumenöl wegen des Kriegs in der Ukraine. Dies trieb die Preise in den vergangenen sechs Monaten um rund 50 Prozent in die Höhe.

Indonesien hatte am Freitag einen Stopp von Palmöl-Exporten verhängt. Damit solle die Versorgung der eigenen Bevölkerung gesichert werden, begründete Staatspräsident Joko Widodo den Schritt. Die Raffinerien erwische dies auf dem falschen Fuß, sagte ein Börsianer. Sie hätten in den vergangenen Wochen in der Hoffnung auf einen Preisrücksetzer von ihren Lagerbeständen gezehrt. "Sie können es sich nicht leisten, länger zu warten. Sie müssen zukaufen, um ihre Werke am Laufen zu halten." Vor diesem Hintergrund steuerten der Palmöl-Future an der Börse Kuala Lumpur und der US-Sojaölkontrakt am Montag wieder auf ihre jüngsten Höchststände zu.

Palmöl ist das mit Abstand am meisten genutzte Pflanzenfett. Weltweit entfallen 60 Prozent dieser Transporte auf Palmöl, das in Kuchen, Kosmetika und Putzmitteln verwendet wird. Indonesien ist der weltgrößte Exporteur von Palmöl. Malaysia als Nummer zwei könne diese Ausfälle nicht ausgleichen, sagte Atul Chaturvedi, Chef des indischen Handelsverbandes SEA. Indonesien lieferte dem weltgrößten Pflanzenöl-Verbraucher Indien bisher die Hälfte dessen Palmöl-Bedarfs, für Pakistan und Bangladesch lag die Quote bei jeweils knapp 80 Prozent.

Palmöl ist das weltweit am meisten produzierte, verbrauchte und gehandelte Pflanzenfett. Sein Marktanteil liegt bei etwa 40 Prozent. Es wird in Schokoladen, Kosmetika und Putzmitteln verwendet. Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zufolge werden im laufenden Jahr insgesamt 77 Millionen Tonnen produziert. Indonesien lieferte bisher 60 Prozent des weltweiten Bedarfs. Malaysia kommt als Nummer zwei auf einen Marktanteil von 25 Prozent. Die größten Abnehmer sind Indien, China, Pakistan und Bangladesch. Bei Unternehmen kauft "Milka"-Macher Mondelez nach eigenen Angaben 0,5 Prozent der weltweiten Palmöl-Produktion auf. In den vergangenen beiden Jahren hatte die Coronavirus-Pandemie die Ernten beeinträchtigt, weil die Arbeitsmigration in den Plantagen Südostasiens eingeschränkt worden war.

Mit einer erwarteten Produktion von etwa 59 Millionen Tonnen 2022 ist Sojaöl das zweitwichtigste Pflanzenfett. Die größten Produzenten sind China, die USA, Brasilien und Argentinien. Argentinien ist üblicherweise der weltweit größte Exporteur. Wegen einer Missernte beschränkt das südamerikanische Land seine Ausfuhren derzeit aber. Wie bei Palmöl ist Indien auch der weltgrößte Sojaöl-Importeur.

Rapsöl wird hauptsächlich in Europa, Kanada und China hergestellt. Das USDA taxiert die Produktion 2022 auf 29 Millionen Tonnen. Die Trockenheit im vergangenen Jahr schmälern aktuell das Angebot von Rapsöl aus Kanada und Europa. Indien verzeichnete dagegen eine Rekordernte.

Russland und die Ukraine produzieren zusammen 55 Prozent des weltweiten Sonnenblumenöls. Beim Export liegt die Quote bei 76 Prozent. Die größten Abnehmer sind traditionell Indien, Europa und China. Durch den russischen Einmarsch in die Ukraine ist der Nachschub aus der Schwarzmeer-Region gestört. Laut USDA-Prognose sollen im laufenden Jahr weltweit 20 Millionen Tonnen produziert werden.

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