Vom Feld ins Produkt: Verwertung regionaler Sonnenblumen | top agrar online

2022-05-14 22:16:00 By : Mr. Scott Tseng

Familie von Reiche baut auf 300 ha Sonnenblumen an und lässt diese zu Öl verarbeiten, aus dem Bio-Fertigprodukte entstehen. Anbau und Verarbeitung in der Region haben sich in der Krise bewährt.

Landwirtsfamilie von Reiche schaut sich in Beesenstedt (Sachsen-Anhalt) die Ölmühle an. Dort sollen die eigenen Sonnenblumen zu Öl verarbeitet werden. (Bildquelle: Nabio)

Regionalität in der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln ist nach wie vor Trendthema. Die praktische Umsetzung gestaltet sich aber oft schwierig – unter anderem, weil Importware deutlich günstiger abschneidet und weniger Arbeit als der heimische Anbau macht. Die Landwirtsfamilie von Reiche aus Sachsen-Anhalt hat sich aber bewusst für die Rohstoffproduktion auf den eigenen landwirtschaftlichen Flächen entschieden.

Familie von Reiche vor der Ölmühle des Partnerbetriebs in Sachsen-Anhalt. (Bildquelle: Naba Feinkost GmbH )

Familie von Reiche vor der Ölmühle des Partnerbetriebs in Sachsen-Anhalt. (Bildquelle: Naba Feinkost GmbH )

Das von der Familie von Reiche geführte Unternehmen „Naba Feinkost GmbH“ mit Sitz in Thüringen produziert Aufstriche, Suppen, Eintöpfe als Bio-Fertigkost und setzt dafür auf Sonnenblumen aus heimischem Anbau. Auf 300 ha wurden 2021 Bio-Rohstoffe wie Kichererbsen, Sojabohnen und vor allem Sonnenblumenkerne angebaut und geerntet, die nun in den Nabio-Produkten verwendet werden.

„Gerade jetzt, wo durch den Ukraine-Krieg das Sonnenblumenöl sehr knapp ist, hat die kurze Wertschöpfungskette einen Vorteil“, sagt Donata von Reiche. Mit einem Bedarf von 350 bis 400 t pro Jahr ist Sonnenblumenöl der am meisten eingesetzte Rohstoff bei der Naba Feinkost überhaupt. „ Wenn wir es zu den aktuellen Preisen importieren würden, würden wir ein Drittel mehr zahlen als wir es bei unseren eigenen Sonnenblumen nun zahlen", so Bernhard von Reiche.

Um Lieferkette kurz zu halten, werden die Rohstoffe selbst verarbeitet. So hat sich der Partnerbetrieb „Landgut Nuscheler“ eine Ölpresse angeschafft, womit die Sonnenblumenkerne zu Öl verarbeitet werden, bevor es nach Thüringen in die Produktion gebracht wird. Stündlich werden 200 kg Sonnenblumensaat gepresst – 4,8 t pro Tag – daraus entstehen zwischen 1.700 und 2.000 kg Sonnenblumenöl. Es erfolgt eine Kaltpressung, d.h. die Saat wird vor der Pressung nicht erhitzt.

Mit einem Bedarf von 350 bis 400 t pro Jahr ist Sonnenblumenöl der am meisten eingesetzte Rohstoff bei der Naba Feinkost überhaupt.

Normalerweise werden die geernteten Sonnenblumenkerne an Großhändler verkauft, welche sie dann weiter an große Ölmühlen verkaufen, wo sie zu Sonnenblumenöl verarbeitet werden. Um diese Lieferkette zu verkürzen, ist aktuell der Bau einer eigenen Ölproduktionslinie in Planung. Die Familie sieht die bessere Rückverfolgbarkeit in der Kette dabei als weiteren Vorteil.

In großen Tanks wird das Öl gelagert, bevor es anschließend in die 100 km entfernte Produktion nach Thüringen gebracht wird. Dort wird es nun in den verschiedensten Produkten eingesetzt. In 80 % aller Produkte, die bei der NABA Feinkost produziert werden, steckt Sonnenblumenöl. Darunter zählen vor allem Aufstriche.

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