Warten auf die Zentrifuge

2022-09-24 04:52:11 By : Ms. GREAT SAFETY

Scheeßel – Duschen, putzen, Wäsche waschen und auf die Toilette gehen – rund 120 Liter Wasser verbraucht jeder Scheeßeler Bürger am Tag. Als Abwasser rauscht es durch die Abflussrohre und die Kanalisation zur Kläranlage am Westerwiesenweg. Was die wenigsten wissen, obwohl es indirekt ja alle betrifft: Hunderttausende Euro hat die Gemeinde in den vergangenen Jahren in ihre Liegenschaft investiert, um gewisse technische Prozesse und Lagerkapazitäten der Wirtschaftlichkeit wegen zu optimieren. „Das ist schon nicht wenig“, sagt auch Tim von Elling, in der Verwaltung für die Anlage zuständig. „Wenn das, was wir noch umsetzen wollen, vernünftig mit den Maßnahmen, die wir schon umgesetzt haben, läuft, dann ist das etwas für die Zukunft, von dem unsere Nachfolger ganz sicher noch lange profitieren werden.“

Tatsächlich hat sich auf dem Gelände, ohne, dass die große Öffentlichkeit es mitbekommen hat, baulich wie technisch bereits einiges getan: Hier ist ein größeres, neuerdings überdachtes Trockenschlamm-Lager entstanden, dort eine Doppelgarage, in der eine Werkstatt sowie mehrere Transporter Platz gefunden haben. Nicht zu vergessen: mehrere neue Schieber, Rohrleitungen, Schächte und moderne Messsysteme für die Klärschlammanlage. Und auch die komplette Niederspannungshauptverteilung ist erneuert worden. Das alles hat Geld gekostet – und wird es mit Blick auf das nächste Jahr auch noch weiterhin tun. Mehr als eine Million Euro seien es am Ende in der Summe, rechnet von Elling vor. „Allein bei dem, was jetzt noch kommt, für die Maschinen-, Elektro- und Bautechnik, liegen wir bei 680 000 Euro“, sagt er mit Blick auf die Erneuerung der Schlammentwässerung.

Deren technisches Herzstück bildet eine tonnenschwere Zentrifuge. „Ohne die läuft hier gar nichts“, weiß Marcus de Vries, Leiter der Anlage. Allerdings hätte das Gerät in den vergangenen Jahren derart hohe Instandsetzungskosten verursacht, er spricht von 35 000 Euro alle drei Jahre, und sei zudem ein echter Stromfresser, dass eine Neuanschaffung nur Sinn gemacht habe. Bestellt worden sei die Apparatur jedenfalls schon. „Eigentlich hätte sie noch dieses Jahr in Betrieb gehen sollen“, berichtet Tim von Elling. „Wie sich herausgestellt hat, beträgt die Lieferzeit aber coronabedingt 24 Wochen.“ Spätestens im März sollen die vorbereitenden Arbeiten nun anlaufen. „Denn es ist ja nicht nur die Zentrifuge selbst, sondern auch deren Steuerung.“ So müssten im Vorfeld erst neue Pumpen und Rohrleitungen verlegt sowie die Schaltschränke erneuert werden. Auch solle der Standort baulich ein Stück weit vergrößert werden. „Die alte Zentrifuge steht auf einer Zwischendecke, die neue würde dort einfach nicht mehr reinpassen“, erläutert der Verwaltungsmann diesen Schritt. „Wenn wir wissen, wann das Gerät kommt, können wir zwei Wochen vorher anfangen.“

Was sich schon gut bezahlt gemacht habe, seien nach Auskunft von de Vries die automatischen Trübwasserabzüge der drei Schlammsilos. „In diese Vorlagebehälter kommt der Schlamm, den wir entwässern, als erstes rein, damit er sich absetzen kann“, erklärt er. Über die Abzüge, die hoch und runter gefahren würden, könnten so Klarwasserzonen schon im Vorfeld abgepumpt werden. „Das heißt, dieses Wasser muss gar nicht mehr durch die Zentrifuge.“ Seit März arbeite man inzwischen mit dieser Technik, die die Gemeinde sich rund 45 000 Euro habe kosten lassen.

Einen ähnlichen finanziellen Aufwand habe man für die Überdachung des Lagers mit dem entwässerten Schlamm betreiben müssen. Diese Maßnahme sei nötig gewesen, weil sonst das auf 23 Prozent Trockensubstanz eingedickte Material, das später außerhalb der Anlage der Verbrennung zugeführt werde, bei Regen wieder verwässern würde, nennt von Elling den simplen Grund. Früher, sagt er, habe man die Stätte zur Schlammlagerung noch gar nicht gebraucht, da sei das Material noch in 15-Kubikmeter-Containern zweimal pro Woche von einem örtlichen Entsorgungsunternehmen abtransportiert worden – immerhin 1 300 Tonnen pro Jahr. „Jetzt sind wir aber dazu verpflichtet, Lagerkapazitäten eine Zeit lang vorzuhalten, was durch die nicht mehr so häufigen Abtransporte, die nur noch alle acht bis zehn Wochen stattfinden, für uns ja auch wirtschaftlicher ist.“ Nur eine Förderschnecke, über die der Schlamm dem Lager zugeführt wird, die fehle dem Ganzen noch. „Wenn wir die erst haben und einen neuen Teleskoplader, dann haben wir schon einiges geschafft“, sagt Marcus de Vries. Er weiß: „Wenn die Schlammbehandlung nebst Entsorgung nicht vernünftig läuft, dann haben wir auf der kompletten Kläranlage ein Problem – denn was sich hinten aufstaut, kann ich vorne nicht wieder abbauen.“

Ob die ganzen vollautomatischen Prozesse ihn und sein Team inzwischen nicht „arbeitslos“ machen würden? Der Scheeßeler schüttelt den Kopf: „Natürlich stopft man jetzt alles rein, was an Technik geht, man kann dadurch alles zentral einsehen und die Anlage arbeitet quasi von alleine, das Personal ist dadurch aber nicht entbehrlich“, sagt er. So seien die ganzen mechanischen und elektrischen Komponenten nunmehr für ihn und seine Mitarbeiter sogar noch interessanter, weil überwachungsbedürftiger..  lw